Indien verdankt Engländern seinen Tee – und auch die Kartoffel

Verrückte Welt: Ausgerechnet der Kolonialmacht England verdankt der Subkontinent Indien seinen Teereichtum. Ein britischer Oberst und der schottische Major Robert Bruce brachten im 18. Und 19. Jahrhundert Samen aus China nach Indien. Darüber hinaus sagt man, Bruce habe bei einem Jagdausflug in den Regenwäldern zwischen Assam und Burma bis zu 20 m hohe, wild wachsende Teebäume entdeckt. Er überzeugte die Briten vom Teeanbau in Indien. 1838 wurden die ersten Kisten mit Tee aus Assam nach London verschifft und dort unter großer Begeisterung versteigert. Übrigens – und das nur am Rande – führten die Engländer auch die Kartoffel in Indien ein.

Heute ist Indien der größte Teeproduzent der Welt. Auf über 500.000 ha werden rund 900.000 t Tee produziert. Hauptsächlich schwarzer Tee verlässt die Fabriken. Er ist inzwischen indisches Nationalgetränk. Auf mehr als 9.000 Plantagen wird der Teestrauch kultiviert. Das berühmteste Anbaugebiet Assam liegt im Nordosten des Subkontinentes, auf einer Hochebene in 1.000 m Höhe zu beiden Seiten des Brahmaputra-Stromes. Eine geübte Pflückerin erntet am Tag über 30.000 Triebe, Basis für 4,5 kg fertigen Schwarztee, nachdem die Blätter gewelkt, gerollt, fermentiert, getrocknet und sortiert wurden. Assamtee hat einen würzigen, kräftigen Charakter.

Darjeeling, ein Städtchen von rund 60.000 Einwohnern, wurde wegen seines gemäßigten Klimas in 2.200 m Höhe zum Erholungsort Britisch-Indiens. Heute ist Darjeeling ein Touristenzentrum – vor allem wegen der umgebenden Teegärten. Hier oben wachsen die Teepflanzen langsamer, und die Blätter entwickeln ein sehr blumiges, feines, gehaltvolles Aroma. Noch weiter nördlich von Darjeeling, aus den Bergen des Himalaya, kommt der kräftigere Sikkim aus der gleichnamigen Provinz. Auch aus der Provinz Dooars – zwischen Assam und Darjeeling gelegen – kommt ein würziger Tee. Und in den Nilgiri-Hills im Südwesten Indiens wächst ein hervorragender Tee, der in Geschmack und Farbe dem spritzigen Ceylon-Tee ähnelt.